Autor Thema: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen  (Gelesen 615 mal)

Offline Medea

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Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« am: Mai 16, 2019, 18:20:21 Nachmittag »
Liebe Foris,
Geschichten anderer helfen nicht wirklich, weil jeder die Schwere seines Lebens selbst durchleben muss, aber vielleicht können die Geschichten anderer doch auch ein wenig Mut und Hoffnung machen. Als ich hierher ins Forum kam, hat es mich getröstet, dass andere Ähnliches erlebt haben, manche waren am Ende des Weges, manche etwas weiter, manche auf dem gleichen Stück Weg. Es hat mir geholfen, die schweren Tage zu durchleben. Deshalb meine Idee, einen Thread zu eröffnen, in denen alte Hasen und andere erzählen können, wie sie Jahre später leben.

Meine Geschichte

Ich bin seit fünf Jahren getrennt oder sechs. Ich muss nachdenken, wie lange das her ist, obwohl ich mich an die Zeit selbst, nicht an die Jahreszahl, noch gut erinnre. Es liegt daran, dass ich in den Jahren danach neue Erfahrungen sammeln durfte, neue Erinnerungen, die immer mächtiger geworden  sind. Es ist nicht mehr wichtig, was gewesen ist. Es ist wichtig, was und wer jetzt in meinem Leben ist. Und in meinem Leben ist eine ganze Menge. Es ist hell und reich an Freude und Arbeit und Alltag und Liebe. Und ich lebe es jeden Tag gerne (auch wenn ich, wie fast jeder schon mal sehnsüchtig unter der Woche auf den Freitag warte, was in der ersten Zeit der Trennung ganz anders gewesen ist. Da fürchtete ich die Wochenenden).
Was ist aus der Zeit der Trennung geblieben. Die Erinnerung an einen grauenhaften Schmerz, der heute vergangen ist. Die Erfahrung, dass Freundschaften getragen haben. Die Erfahrung, dass Risse, die mitten durch das Leben gehen, heilen können. Die Erfahrung, dass man vieles nicht in der Hand hat, aber es in der Hand hat, wie man damit umgeht. Die Erfahrung, sich mit Lebensentscheidungen, die nicht mehr rückgängig zu machen sind, zu versöhnen. Und sonst bin ich immer noch der Mensch, der ich gewesen bin. Denke ich.
Als ich ins Forum kam, suchte ich Trost in einer Zeit, in der es für mich nicht wirklich Trost gab. Als es schien, jemand wäre durch mein Leben gegangen und hätte alle Lichter ausgelöscht. Hier und auch anderswo habe ich Menschen gefunden, die mit mir die Trauer ausgehalten haben, und mir Mut gegeben haben, den Weg ohne Weg zu gehen. Mir persönlich hat es geholfen, ganz neu anzufangen, jeden Kontakt zu dem alten Leben abzubrechen, ein neues Zuhause zu finden. Auf dem Weg dahin habe ich, ohne es zu wollen, einen Menschen getroffen. Einen Menschen, in dessen Gegenwart sich die Gespräche endlos einfanden, von selbst. Und so haben wir uns Wort für Wort in eine neue Nähe, ein neues Vertrauen und eine neue Liebe gesprochen. Mir ist bewusst, dass das ein großes Glück und nicht selbstverständlich ist.
Heute kann ich von mir sagen, ich lebe ein glückliches Leben.

Deshalb an alle, bewahrt die Hoffnung und habt gut auf euch acht.
Medea

Zu einfache Antworten verengen das Weltbild, schlimmstenfalls das Menschenbild, immer die Zukunft.

Offline Steve

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #1 am: Mai 16, 2019, 20:06:28 Nachmittag »
Ok, wenn’s hilft.

Lebe seit der Trennung in einer abgeschiedenen Berghütte.... Scherz.


Nachdem mir das Forum nahezu eine virtuelle Heimat gegeben hatte, durch sehr viel Zuspruch, Empathie, ehrliche Meinungen, der eine oder andere mahnende Zeigefinger, viele Treffen, dem Chat
und nicht zuletzt einige bis heute andauernden sehr gut Freundschaften, gell Potsdam, verläuft mein
Leben jetzt sehr sehr gut.

Trennung, Jobverlust, Umzug in ein neues Land.. dank der Freunde die ich im Forum gefunden habe
war das alles kein Problem. Logisch, man muss selbst schauen wie es  weitergeht, doch ist eine kleine
verschworene Gruppe von Mitstreitern und Gleichgesinnten eine unbezahlbare Stütze.

Eine Trennung mit all den Veränderungen und auch Verlusten ist hart, doch wenn eine Tür zugeht dann geht ne andere auf.

Heute, eine liebevolle Partnerin an der Seite, schaue ich ohne Groll zurück, ganz im Gegenteil, so
zufrieden war ich noch nie. (außer das meine Kids weiter weg wohnen)

Lg..Steve
I´m not heartless, I´ve just learned how to use my heart less

lg Steve

Offline Desperatio

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #2 am: Mai 16, 2019, 20:12:56 Nachmittag »
.... einige bis heute andauernden sehr gut Freundschaften, gell Potsdam, verläuft mein
Leben jetzt sehr sehr gut.

Thanks, dude.

Geschichte folgt.

Gruß Desp
Muss ich denn sterben, um zu leben (Falco "Out of the dark")

Offline JarJar

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #3 am: Mai 16, 2019, 20:38:09 Nachmittag »
Eine wunderschöne Idee....

Meine Geschichte:

Trennung vor etwas über 2 Jahren, eine Zeit in der ich dachte, die Welt steht still und ich habe keine Idee, wie es weitergehen könnte. Alles an Lebensträumen und -plänen lag einfach in Scherben vor mir.

Warum auch immer führte mich mein Weg damals hier ins Forum. Erst nur lesend und damit kam die Erkenntnis - ich bin nicht allein. Schon das war ein Trost. Irgendwann dann das Bedürfnis mir alles von der Seele zu schreiben, vielleicht war es ein Hilferuf... ich weiss es nicht. Nachdem ich meine Geschichte geschrieben hatte ging es mir schon ein wenig besser. Es kamen die ersten Reaktionen, es war alles dabei. Verständnis, tröstende Worte, die Versicherung "es gibt ein Danach" und auch das ein oder andere etwas mahnende Wort, denn ich hatte mich selbst komplett vergessen. Kurz darauf war ein Treffen geplant, ich wurde gefragt, ob ich nicht kommen wolle. Ich liess mich überzeugen und es war eine der besten Ideen meines Lebens. Ich fand dort neue Bekannte und Freunde und pflege zu einigen immer noch teilweise engen Kontakt. In dieser Zeit des Schmerzes kam dann auch die Sonne in Form von diesen Menschen, die mir zeigten, es geht weiter. Es spendete Trost und half über das schwerste hinweg.

Rückblickend hat mich das alles zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Sozusagen JarJar 2.0, die verbesserte Ausgabe und das habe ich auch zu großen Teilen den Menschen hier aus dem Forum zu verdanken. Den tröstenden Worten, die (virtuellen) Umarmungen, der Tatsache, dass da Menschen sind, die mir meinen Wert wieder gezeigt haben.

Ich nutze dies hier nun auch mal, um genau diesen Menschen "DANKE" zu sagen... ich denke, sie wissen, wer gemeint ist. Oder denke ich hier falsch Medea, Steve, Desperatio, Miezekatze, einsam 78, maggus, Life52, Löwenzahn1, Lilliyfee .... ? Und ich hoffe, ich hab nun keinen vergessen (nicht so einfach, wenn man sich nur noch mit echten Namen anspricht, wieder die Forennamen zu benutzen)....
Liebe Grüße
JarJar

Offline einsam78

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #4 am: Mai 16, 2019, 21:04:50 Nachmittag »
Schön das es das Forum gibt!!!!
Zu meiner Geschichte
Es ist nun fast 5 Jahre her und ich habe nicht viel geschrieben aber viel mitgelesen.
Es war eine sehr harte Zeit ,dich ich habe es geschafft.
Ich sehe es ähnlich wie Jar Jar ,ich bin erst durch die Trennung zu dem Menschen geworden der ich jetzt bin.Und es ist auch gut so.
Ich bin eine starke Persönlichkeit geworden und ich bin stolz drauf.
Ich bin sogar fast ein wenig lustig geworden.
Diesen insiderwitz werden bestimmt Steve,Medea,Life 52,JarJar,Lillyfee,Desperatio und noch einige mehr.
Danke für die tollen Menschrn hier.
Einsam 78

Offline Desperatio

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #5 am: Mai 17, 2019, 07:31:37 Vormittag »
Läuft.Auch bei mir sind Trennung und Scheidung nun wieviele Jahre her?
Ich müsste erstmal rechnen und einen Kalender zur Hilfe nehmen.
Womöglich kann ich doch nur bis Drei zählen.
Die Erinnerung an die dunkle Zeit ist noch vorhanden.
Jedoch schlummert sie recht weit hinten im Oberstübchen.
Stundenlang war ich im Chat.
Den Forumschat bringen die modernen mobilen Endgeräte wohl um.
Früher lief den ganzen Tag der PC,
heute geht man fast ausschließlich mit Smartphone oder Tablet online
und mit disen Geräten ist der Chat schlecht zu bedienen.
Die Kommunikation verlagert sich auf andere Wege.
Die Zeiten und Gewohnheiten ändern sich.
Ich schrieb in meinem Thread, las jeden anderen Thread,
gierte darauf, dass jemand auf meinen letzten Post antwortet.
Die Zeiten liegen in weiter Ferne.
Das Forum hat mir sehr geholfen, doch das Thema Trennung ist
weg aus dem Mittelpunkt meines Lebens.
So einige nette Menschen habe ich auf mehreren Treffen kennengelernt.
Diese Menschen sind nun mein engster Freundeskreis,
auch wenn es ein oder zwei unlustige Typen darunter gibt.
Ach nein, eigentlich nur Eine.
:totlachen:
Einen Haken hat die Sache allerdings, sie sind über die ganze Republik verstreut.
Und zu den Meisten sind es hunderte Kilometer, um sie mal wieder zu treffen.
Nur ein besonderer Mensch ist jetzt ganz dicht.
:liebe:

Meine Kinder sehe ich zwar gar nicht mehr, wenn man keinen Alltag mit ihnen lebt,
dann schläft der Kontakt ein. man bekommt ja nichts mehr mit.
Sohnemann ist vor einigen Wochen 18 geworden.
Das war dann der Anlass, Ex aus dem Adressbuch endgültig zu löschen.
Ich werde nie wieder irgendetwas mit ihr zu tun haben.

Es ist jetzt ein anderes Leben, es ist ein gutes Leben.

Ich schicke mal ganz liebe Grüße
-in die einzige Weltstadt dieses Landes
-nach Sachsen-Anhalt
-ins Oldenburger Land
-in den Pott und die Umgebung
-an Orte, die es gar nicht gibt
-zu den Franken (den lustigen, den unlustigen und den zugewanderten)
-fast bis ins Saarland
-nach Hessen
Und jetzt habe ich bestimmt wieder etas vergessen.
Seht mir mein fortschreitendes Alter und die einhergehende Vergesslichkeit nach.


Muss ich denn sterben, um zu leben (Falco "Out of the dark")

Offline Desperatio

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #6 am: Mai 17, 2019, 08:02:45 Vormittag »
Und jetzt habe ich bestimmt wieder etas vergessen.

zumindest ein w  :rofl:
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Offline Miezekatze

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #7 am: Mai 17, 2019, 10:25:03 Vormittag »
Hallo ihr Lieben,

ich bin noch ohne Computer und Handy aufgewachsen.
Deshalb war es für mich damals ein sehr schwerer Schritt, mich in einem Forum anzumelden.

Nach 28 Jahren Gemeinsamkeit und kurz vor der Silberhochzeit sagte mir mein Ex, dass er mich
loswerden wollte. Das Ganze lief in einer Art und Weise ab, die mir heute noch Zuckungen in den
Mundwinkel treibt.

Ich hatte auf einen Schlag alles verloren, alle Gemeinsamkeiten, alle Freunde, alle sozialen Kontakte.
Nur meine Paula hat mich damals vor dem schlimmsten bewahrt.

Hinzu kamen existenzielle Ängste: ich musste aus der Wohnung raus, mein Zeitarbeitsvertrag lief ab, mein Sohn zog damals nach Köln. Es war die Hölle und noch viel schlimmer. Und ich war allein.

In dieser Zeit hatte ich nur das Forum, das mich schließlich aufrecht hielt, Verständnis zeigte, Hilfe bot, mich tröstete. Es wurden viele Tränen geweint. Es gab aber auf einen Schlag so viele neue Menschen, die mir zeigten, dass das Leben doch weitergeht und man nicht aufgeben soll.

Es zeigte sich auch, dass man anderen Getrennten „gute Ratschläge“ geben konnte, aber selber konnte man sie kaum umsetzen. Und trotzdem wurde man immer wieder ermutigt, weiter zu machen.

Im Laufe der Zeit habe ich viele tolle Menschen kennengelernt, sowohl virtuell als auch bei den
Forentreffen. Bis heute sind sie eigentlich meine neuen Kontakte, da es in meinem Alter sehr schwierig ist, neue „Freunde“ zu finden. Meine sogenannte „Freundin“ hatte mich damals verraten. Ich habe und werde sie nie wieder sehen.

Der Zuspruch und das Verständnis, dass man im Forum erhalten hat, war für mich lebenswichtig. Ich war froh, dass ich mich angemeldet habe und eigentlich mein „Innerstes“ an völlig fremde Menschen ausgekehrt habe.

Nun, inzwischen bin ich seit dem 09.02.2016 geschieden. Die Zeit geht ins Land.
Die Trennung selbst habe ich überwunden. Die Art und Weise nicht. Da werde ich mein lebenlang dran knabbern. Mein Sohn will nichts mehr von mir wissen. Er ist inzwischen verheiratet, vielleicht bin ich sogar schon Oma. Ich weiß es nicht.

Aber: ich habe einen neuen Menschen hier im Forum gefunden. Nie im Traum hätte ich daran gedacht, dass es nochmal möglich ist, jemanden zu vertrauen und zu lieben. Wir mussten uns erstmal zusammenraufen, zu tief waren die Verletzungen auf beiden Seiten vorhanden.
Aber man wird ja im zunehmenden Alter auch schlauer.

Ich bin ruhiger geworden, die alte Miezekatze kommt nur noch selten zum Vorschein. Man wird gelassener. Vieles ist mir egal geworden.

Ich bin nicht vollends glücklich, aber ich lebe jetzt ein zufriedenes Leben.
Schweren Herzens musste ich vor 5 Wochen meine über alles geliebte Paula gehen lassen. Das hat mein Herz nochmal zerrissen. Darüber werde ich nie hinwegkommen. Mir kommen wieder die Tränen, während ich das schreibe. Sie war in meinen schwersten und einsamsten Stunden immer bei mir. Hat zu mir gestanden. Das konnte bis dato keiner der mir bekannten Menschen von sich sagen. Alle gingen, sie blieb….
In meinem Herzen für immer.

Deshalb. Danke, dass es das Forum gab und gibt. Auch wenn es sich in den Jahren etwas verändert hat. Zu meiner Zeit war es genau das Richtige.

Viele Grüße
Miezekatze

Offline allesunfassbar

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #8 am: Mai 17, 2019, 19:06:56 Nachmittag »
Guten Abend Ihr Lieben!

Eine sehr schöne Idee von Medea.... und da nun so viele der alten Garde  :giggle: hier sind, möchte ich auch meinen Beitrag schreiben.
Auch wenn ich ehrlich sein muss, mir damals "Erfolgsgeschichten" gar nicht so weiter geholfen haben. War ich doch sicher, dass es ja meinetwegen jeder schaffen kann, aber doch nicht ich.

Mein Ex hat mich im März vor 5 Jahren innerhalb von 5 Minuten verlassen und ist bei Next eingezogen... nach 13 Jahren Ehe, 16 Jahren Beziehung und zwei Kindern.
Meine Welt brach völlig zusammen, ich war am Ende. Es war trostlos, es war der Horror, der Schmerz war kaum auszuhalten und ich hatte durchaus schlimme Gedanken. Noch nie vorher war ich in einem Forum im Internet. Aber es war ein großes Glück. Wie viele schon schrieben, traf man Gleichgesinnte aber auch schon Erfahrene, die weiterhelfen konnten.
Es linderte die Einsamkeit, die Isolation. Der Chat hat über manchen schlimmen Abend oder Morgen hinweg geholfen. Trotz allen Schmerzes haben wir wieder gelacht.
Immer hörte jemand zu, gab zum 1000x den gleichen Ratschlag etc ..... an einem Punkt, an dem im wirklichen Leben kein Platz mehr war. Das Leben ging schließlich weiter.

Nach schlimmen ersten Wochen habe ich damals den Entschluss gefasst, dass mir der ganze Mist etwas bringen sollte. Ich habe gedacht, wenn ich das schon erleben muss, dann möchte ich bitte schön etwas davon haben. Gestärkter daraus hervorgehen..... und wenn es manchmal nur der Gedanke war " Dem zeige ich es. Ich werde nicht daran zerbrechen!"

Es hat Jahre gedauert ( ich war durchaus einer der schlimmeren Fälle), aber ich war auf dem Weg.
Ich habe mich mit mir selbst auseinandergesetzt, nachgedacht, analysiert, mit Freunden stundenlang gesprochen. Neues ausprobiert, Studienkurse besucht und unglaublich viel mitgenommen. Ich bin alleine in den Urlaub geflogen und bei aller Angst vorher, war es einer der schönsten Urlaube meines Lebens.

Daneben waren aber ja meine Kinder da. Was hatte ich für eine Panik, dass sie auch gehen. Gab es doch bei Papa nur "Tolles", gab es doch da zwei Personen, die alle Wünsche erfüllten... und zu Hause die gerade am Anfang gestresste, weinende Mama. Was habe ich mich getäuscht!!
Ich habe beiden immer wieder erklärt, dass wir auch zu dritt ein fantastisches Leben haben und es uns schön machen ( ohne selbst dran zu glauben). Vieles gemacht, Spiele gespielt, mit Taschenmessern in den Wald, Fahrradtouren, Matratzenlager vor dem Fernseher, Filme geschaut, Urlaube ( klar geht das alleine!!), etc etc. Es hat viel Kraft gekostet, sehr viel!!
War doch nebenbei der Alltag mit Arbeiten, Schule, Kita, Arztbesuchen etc zu stemmen. Aber es hat funktioniert!! Wir wuchsen zu einem großartigen Dreierteam zusammen, welches jedem eine Position gab, in der er sich weiterentwickeln konnte. Nein, meine Kinder haben keinen Schaden genommen. Natürlich ist es traurig, Papa nicht im Alltag zu haben. Aber sie hatten alles andere. Freunde, Familie, Sport... ich habe es geschafft, Ihnen alles zu erhalten. Und es gibt nichts auf das ich stolzer sein könnte, als sie - trotz des eigenen Schmerzes - da heil durchgebracht zu haben.

Mir sind alle Freunde erhalten geblieben, von meinen Kollegen hätte ich keine bessere Unterstützung bekommen können, meinen Beruf konnte ich weiter ausüben, die Familie ( auch die von Ex) stand geschlossen hinter mir - bis heute.

Irgendwann reifte die Erkenntnis, dass auch mir in der Ehe viel - zu viel - gefehlt hatte. Dass ich hingenommen hatte, resigniert hatte, es mir selbst schön geredet hatte und ich mich eine Stück weit selbst betrogen hatte. Keine schöne Erkenntnis, konnte ich doch daran nicht mal Ex die Schuld geben. Trauerte ich wirklich nur um ihn? Oder kam nicht auch mein zerstörter Lebensplan dazu? Der Prestige Verlust, das schöne "Außen" verloren. Aber wirklich den perfekten Partner? Nö, eigentlich nicht. Gut, ich habe Probleme immer angesprochen, war ehrlich, wollte reden. Aber trotzdem gab es sie ja.

Ex hat sich bei der Trennung und auch noch Jahre danach verhalten wie das letzte A****. Gelogen, getrickst etc. Nach ca. 2,5 Jahren hat er erkannt, dass ich in Bezug auf die Kinder Recht hatte. Er war dabei, sie zu verlieren. Zu viel hatte er kaputt getreten. Aber dann hat er sich tatsächlich gewandelt, ist dran geblieben. Hat wieder angefangen, Verantwortung zu übernehmen, sich stetig bei den Kindern gemeldet - obwohl er vom Großen oft wochenlang keine Antwort bekam -, hat Alltag gelebt und nicht nur Highlight Wochenenden veranstaltet. Das kann ich wertschätzen, ohne zu vergessen, was er getan hat. Das führt dazu, dass wir mittlerweile ein sehr entspanntes Verhältnis haben. Ich kann mich wieder auf ihn verlassen und er leistet viel "Freiwilliges". Natürlich alles nur noch auf der sogenannten "Elternebene". Darüberhinaus haben wir keinen Kontakt.
Da ich kein Mensch bin, der Hass gut leben kann, tut mit das auch gut!!

Spätestens seit 2,5 Jahren geht es mir gut. Ich habe mein Leben auch ohne Partner genossen! Es war gut. Der berühmte Kuchen ohne Sahne.
Anfang 2018 traf ich allerdings tatsächlich auf der Feier einer Freundin meinen neuen Partner. Zunächst nur das Glück, es ist mir tatsächlich gegönnt, mich nochmal zu verlieben. Ich kann es noch fühlen. Wir haben es langsam angehen lassen, wegen der Kinder, aber auch wegen meiner Verletzungen. Auch nach 5 Jahren war die Angst da, sich wieder einzulassen, wieder zu vertrauen. Der Gedanke "Mir ging es doch gut alleine, warum soll ich etwas riskieren". Es bedurfte zahlreicher Gespräche und Zweifel.... es war manchmal für ihn auch schwierig, zu verstehen. Aber es hat funktioniert!! Es ist zu einer Liebe geworden, die volller Vertrauen ist. Ich merke aber auch, dass ich mehr wertschätze und Fehler von früher vermeiden kann. Das Reflektieren hat schon viel gebracht. Auch mit den Kindern klappt es wunderbar, der erste gemeinsame, richtig schöne Urlaub liegt hinter uns.
Ich kann es immer noch kaum glauben und bin unglaublich dankbar! Heute spüre ich, das man in einer Beziehung leben kann, was mir damals fehlte.

Das alles liest sich leicht, aber es war ein langer, harter Weg mit so vielen Rückschlägen. Mit Tränen, mit Verzweifelung, mit Unsachlichkeit, mit Motzerei und mit ganz viel Selbstmitleid. Ich habe mich verändert und weiter entwickelt. Die Trennung hat mir unglaublich viel gebracht! Und heute kann ich sagen, es ist tatsächlich Ex, der unfassbar viel verloren hat und nicht ich.

Das Schwierigste war immer - und gerade nach der Trennung - allein zu sein. Mittlerweile liebe und genieße ich es. Und aufgrund des Luxus eines erfüllten Lebens freue ich mich tatsächlich mittlerweile auf Abende, die ich mit mir alleine verbringen darf.

Auch ich sage "danke" an all meine Weggefährten! Danke Desperatio, dass Du an mich gedacht hast. Ohne Euch hätte ich es nicht so geschafft und ich bin wirklich froh, dass viele Kontakte bis heute bestehen.

Alles Liebe für Euch
*allesunfassbar

P.S.: Und mittlerweile denke ich an manche Dinge sogar gerne zurück. Eine Ausnahmesituation im Leben birgt auch immer viele Chancen

« Letzte Änderung: Mai 18, 2019, 23:05:27 Nachmittag von mehni »
Ich habe nicht alles, was ich mir wünsche. Aber ich liebe alles, was ich habe. Und bin dankbar für diesen Reichtum!

Offline allesunfassbar

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #9 am: Mai 17, 2019, 19:19:34 Nachmittag »
Ein kleiner Nachtrag an die Alleinerziehende hier:

Ja, ihr tragt die Verantwortung und alle Arbeit alleine. Und das ist hart. Aber ihr erlebt auch das Glück mit euren Kindern. Und nichts kann mehr wert sein.
Wertschätzt das! Schaut Euch das Gute an! Sie werden größer und es wird leichter ... und ihr werdet es zusammen geschafft haben.
Nicht umsonst leiden Einige hier doch massiv unter dem Verlust ihrer Kinder.

Schafft Euch "Inseln".... Massage, Fußpflege, schöne Kosmetikprodukte, Sauna, Abende mit Freunden, wenn es geht Urlaube. Was auch immer gerade Euch gut tut. Habt kein schlechtes Gewissen!! Durch das Nutzen der Inseln sammelt ihr Kraft, um weiter für Eure Kinder da zu sein.
Baut Euch ein Netwerk auf. Bildet Fahrgemeinschaften, nehmt Kids nach der Schule mit, erlaubt Übernachtungspartys etc.. Erstens sind auch zusammenlebende Eltern dankbar und zweitens schafft ihr euch so Freiräume. Denn so werden auch Eure Kinder mal mitgenommen, übernachten beim Freund etc. Und bei aller Orga, die dahinter steckt.... ihr macht sogar noch Eure Kinder glücklich.

Und ja es gibt Männer/ Frauen, die absolut kein Problem damit habe, dass ihr schon Kinder habt. Die das sogar schön finden und Spaß daran haben, mit den Kids etwas zu machen.

LG
Ich habe nicht alles, was ich mir wünsche. Aber ich liebe alles, was ich habe. Und bin dankbar für diesen Reichtum!

Offline Abschnitt

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #10 am: Mai 19, 2019, 20:02:18 Nachmittag »
Meine Geschichte ist Wiederholung.
Gelebt, geliebt, genossen.
Gelebt, geliebt, genossen.
Gelebt, geliebt, genossen....
Kein Hadern, kein Zetern und kein Selbstmitleid
Mir reichen drei Worte um alles zu sagen.
Trennung ist wie Zahnschmerz. Leiden oder mit einem Ruck erledigen?

Offline Life52

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #11 am: Mai 19, 2019, 22:05:48 Nachmittag »
Guten Abend an alle,

Medea, eine wirkliche schöne Idee.
Ich reihe mich gerne hier ein und hoffe es schreiben noch viele ihre ganz persönliche Geschichte hier weiter.

Meine Geschichte:

Es war eine Katastrophe die mich ungefragt und ohne Mitspracherecht in eine Situation katapultierte, die ich nie wollte.   
Umso schlimmer, weil wir viele Jahre zuvor in schon mal an dieser Stelle waren.
Wir hatten es geschafft uns wieder zusammen zu finden, meine Vertrauen in diese Ehe war wieder da.
Soviel hatten wir miteinander gemeistert, ein halbes Leben verheiratet.
Das es wirklich zu Ende ist hab ich nicht geglaubt. Auch nicht, als er mit seinem Koffer zu Tür raus ging.
Eine Auszeit, ja.
Die endete mit dem Einzug bei seiner Neuen.
Fassungslos, auch jetzt, beim Schreiben, weiß ich noch genau, ich war Fassungslos.
Monatelang war da nur Tunnel, kein Licht am Ende. Kein Ausgang in Sicht.
Tränen, Mutlosigkeit, Angst, die Gewissheit, alles was als Lebensplan angedacht war zerbröselt gerade.

In diesem ganzen Umbruch hatte ich aber das große Glück Freunde zu haben die buchstäblich von der ersten Sekunde an für mich da waren und heute noch sind.
Eine Familie die mich aufgefangen hat und einen Chef mit wirklich großen Verständnis.
Ich konnte in meiner Wohnung bleiben, unser Kind war da.
Schon erwachsen, sie traf ihre eigenen Entscheidungen wie sie mit ihm umgehen wollte.
Heute weiß ich, im Gegensatz zu vielen hier im Forum, war es noch ein weicher Fall.

Ständig war ich auf der Suche nach Erklärungen, nach irgendetwas, dass es leichter, erträglicher, verständlicher machen würde.
Dadurch habe ich  das Forum gefunden, erst nur mitgelesen  und mich angemeldet.
Es tat gut, alles aufzuschreiben, Antworten zu bekommen von Menschen die ähnliches erlebt haben.
Die den gleichen Weg gehen mussten, noch mittendrin waren oder auch schon ein ganzes Stück weiter.
Verständnis, Trost, Mutmachen, das habe ich hier gefunden.
Auf den Forentreffen bekamen die geschriebenen Worte Stimmen und Gesichter.

Es heißt ja, es ist selten etwas so schlecht, dass nicht noch was gutes dabei raus kommen kann.
Das ist richtig. Die Menschen die heute, leider oft nur virtuell, in meinem Leben sind, hätte ich ohne diese Trennung niemals kennen gelernt.
Viele sind Freunde geworden, weit weg, aber trotzdem nah.
Dafür bin ich sehr, sehr dankbar und froh, dass es mit den heutigen Medien möglich ist, in Kontakt zu bleiben.

Whatsapp und Co. sind keine Konkurrenz für das Forum. Eine Ergänzung, ja.
Denn  man erzählt sich nach dem persönlichen Kennenlernen manches, was
man im öffentlichen Forum trotz Anonymität niemals schreiben würde.

Heute geht es mir gut. Nein, nicht immer. Aber das war vorher ja auch so.
Ich bin oft allein, dass kann ich gut und ist in Ordnung.
Manchmal gibt es traurige Momente, klar, manchmal fehlt auch ein Partner.

Aber ich führe viele gute Gespräche, habe meine Freunde, die Alten und die Neuen, habe mich eingerichtet in meinem Leben.
Anfangs weil ich es musste, jetzt weil ich es will.
Natürlich ist es anders. Aber es ist meistens gut.
Ich habe gelernt mehr nach mir zu schauen, auch Nein zu sagen, wenn ich etwas nicht möchte.
Führe viele gute Gespräche, denke nach, reflektiere.
Und ich lache wieder, habe Spaß an meinem Leben 
Die Narben sind verblasst, auch wenn sie nie ganz verschwinden werden.
 
Wir haben mittlerweile auch ein relativ entspanntes Verhältnis zueinander gefunden.
Unser Kind muss sich nicht entscheiden ob sie Vater oder Mutter einlädt. Es geht beides.
Auch das ist nicht unbedingt immer einfach, aber ich will es so.

Nach der Trennung dachte ich, es geht nicht weiter... aber doch, dass tut es.
Es braucht seine Zeit, jeder hat sein individuelles Tempo.

Mir hat dieses Forum, die Mitglieder und die Moderatoren bei diesem Prozess unwahrscheinlich viel geholfen.
Ich danke euch dafür und schicke meine Grüße an euch einmal quer durch die Republik.

Life
Ich weiß was ich hatte, aber auch was mir fehlte.
Ob mir das fehlt was ich hatte, weiß ich noch nich

Offline Frauchen

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #12 am: Mai 22, 2019, 15:58:55 Nachmittag »
Meine Geschichte ist Wiederholung.
Gelebt, geliebt, genossen.
Gelebt, geliebt, genossen.
Gelebt, geliebt, genossen....
Kein Hadern, kein Zetern und kein Selbstmitleid
Mir reichen drei Worte um alles zu sagen.
Sehr starke Worte.

Offline Traurig2019

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Re: Trost- und Mutmachgeschichten von alten Hasen
« Antwort #13 am: Juli 14, 2019, 12:57:57 Nachmittag »
Bei Euren Berichten sind bei mir Tränen geflossen ohne Ende. Ich stehe noch ganz am Anfang meiner Trennung (2 Wochen) nach 25 Jahren Beziehung. Es ist für mich momentan unvorstellbar, dass ich diesen Schmerz, diese Leere und dieses Leid jemals überwinden werde, aber Eure Erfahrungen geben mir Mut, Kraft und auch den Willen, weiter zu kämpfen. Danke für Eure ehrlichen Worte. 
Leben ist das, was passiert, während du eifrig dabei bist, andere Pläne zu machen (John Lennon)