Autor Thema: Alles vorbei?  (Gelesen 4850 mal)

Offline Unglaublich_traurig

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Re: Alles vorbei?
« Antwort #60 am: August 08, 2019, 23:58:32 Nachmittag »
Liebe Traurig,
ja, das Alleingelassen-Gefühl kenne ich auch.
Bei mir ist es ein Sich-Verloren-Fühlen. Irgendwie niemandem zughörig.
Wenn ich allein ins leere Haus gehe, wird es mir sehr bewusst.
Wenn ich dann eine Weile zu Hause bin, vergeht es zum Glück oftmals.
Zwischendurch kommt es dann wieder in einigen vertrauten Situationen.
Oder zu Zeiten, an denen mein Mann üblicherweise nach Hause käme.

Es war eher so, dass mein Mannn unsere Rituale noch Monate über die Trennung hinaus aufrecht erhalten hat.
Und ich habe mich darüber gefreut und immer noch viel Hoffnung gehabt.

Da es gemeinsame Rituale waren, muss ich nun eigene Neue finden.
Einiges ist mir schon gelungen. Und doch ist es mühsam.

Bald fahre ich nochmal für einige Tage in einen Kurzurlaub.
Auch das gehört zu den kleinen Schritten...

Danke für Deine lieben Wünsche!

Ich wünsche Dir eine gute Nacht und einen möglichst guten Tag morgen,
Unglaublich_Traurig

Offline Marisa

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Re: Alles vorbei?
« Antwort #61 am: August 10, 2019, 22:52:37 Nachmittag »
Liebe unglaublich traurig,
ich wünsche dir schöne Tage in deinem Kurzurlaub und neue Kraft. Du warst 30 Jahre in deiner Beziehung, es wird nicht von heute auf morgen gehen, dass du dich " umbaust". Das ganze Leben ist ein gemeinsames gewesen, die Vertrautheit, das Zusammen-gewachsen-sein....
Ich war 38 Jahre in einer Beziehung, wir haben uns ein gemeinsames Leben aufgebaut von Null weg und als ganz, ganz junge Studenten mit keinem Geld und keiner Hilfe angefangen.
Nie hätte ich im Traum daran gedacht, dass wir beide nicht "miteinander" alt werden würden.
Man geht durch dick und dünn, durch so viele persönliche Krisen, familiäre, berufliche etc. Man hält zusammen, wenn einer krank ist, man streitet, man versöhnt sich. Man ist glücklich, wenn man eieder eine Klippe umschifft hat gemeinsam...
Ach ja, es sind viele viele Hindernisse zu bestehen, viele Tränen, viel Hoffnung, ein ewiges Auf und Ab.
Wenn jemand gerade 30 ist und nicht glauben kann, dass Beziehungen nach so langer Zeit ( 30,40,50 Jahren) zu Ende gehen können, ich stimme dir zu:
Ich hätte es mit 30 auch nicht geglaubt!
Es tut sehr weh, sich " neu" oder " wieder" zu finden, ich habe mehrere Jahre gebraucht.
Jetzt geht es mir viel besser. Wir trennten uns nicht abrupt, unsere Trennung zog sich über vier Jahre hin, erst seit Sept. 2016 habe ich endgültig aufgehört, zu hoffen.
Damals hatte er eine ernstere Beziehung zu einer Frau und ich - und alle anderen Menschen - war nur noch abgewählt aus seiner Welt. Der Selbstwert fährt in den Keller, du fühlst dich entsorgt.
Pubertät, midlifecrisis mit Ende 50? Der Klassiker. Für viele ein Klischee, für sndere bitterer Ernst.
Es ist für die, die in diese Krise geraten, auch kein Rosenpfad, denn sie gehen auf unbekanntem Terrain und haben im Inneren bestimmt auch Angst, dass sie vielleicht einen hohen Preis bezahlt haben. Sie fangen eine neue Beziehung an - und die muss sich ja erst bewähren. Das dauert!

Ich war auch unendlich traurig. Das Alleinseinkönnen musste ich lernen. Jetzt schätze ich es.
Du wirst sehen, dass du stark bist. Glaub an deine Kraft!



Offline Unglaublich_traurig

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Re: Alles vorbei?
« Antwort #62 am: August 11, 2019, 18:45:08 Nachmittag »
Liebe Marisa,
ja, ich habe auch fest daran geglaubt, mit meinem Mann gemeinsam alt zu werden.
Eine lange Strecke haben wir ja schon recht erfolgreich zurückgelegt. Und nun das...

Aber es ist nun mal zurzeit leider so, wie es gerade ist.
Beeinflussen oder ändern kann ich nur mich selbst. Und oft fällt auch das ganz schön schwer.

So versuche ich, das Leben weiterzuleben und mit mir selbst gut auszukommen.
Das ist in der Situation schon Herausforderung genug.

Auch ich werde Jahre zur Verarbeitung brauchen, so viel ist sicher.

Mein Mann hat da einen Vorsprung, denn er hat seine Trennungsentscheidung zweimal mit sich allein ausgemacht und sie mir dann mitgeteilt.
Auch mit Schwankungen seinerseits in der Folgezeit.
Nun ist er emotional schon weiter weg, scheint mir. Er geht sein eigenes Tempo.

Ich versuche, das auch zu machen. Nur, im Gegensatz zu ihm, unfreiwillig.

Aber das geht ja leider den meisten Menschen hier im Forum so...

Liebe Grüße,
Unglaublich_Traurig

Offline Marisa

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Re: Alles vorbei?
« Antwort #63 am: August 11, 2019, 20:24:40 Nachmittag »
Liebe Du,
du versuchst, mit dir selbst gut auszukommen, das ist Herausforderung genug, schreibst du.
Wie wahr das ist! Es ist Tag für Tag eine Herausforderung - mühsam, einmal gehts leichter, einmal scheint es unmöglich...Dass du es versuchst, das ist schon ein gutes Zeichen, weil es anzeigt, dass du Kraft hast in dir, auch wenn du sie vielleicht nicht immer so intensiv spürst. Die Kraft IST da.
Du "versuchst" - das ist gut, du stehst auf, du richtest dich auf!
Richte dich auf - einmal am Tag - richte dich auf.
Und dann zwei Mal am Tag, dann drei Mal usw., solange, egal, wie viel Zeit du brauchst, bis du wieder gerade da stehst, Stunde für Stunde steh auf, tu etwas...reduziere das Grübeln, das dich im Kreis drehen, geh so viel du kannst-Gehen hilft...es hilft dir "weiterzukommen".
Geh los, in der Wohnung ein paar Schritte, im Haus, um das Haus herum, in den Park, in den Wald.
Ich bin " im Gehen" weiter gekommen. Im " mich-gerade- richten" im doppelten Wortsinn.
Du wirst es gar nicht merken....es geschieht fast wie von selbst.
Aurichten, gehen, aufrichten, gehen....
Die Phasen der inneren Ruhe werden irgendwann länger - die Phasen des Kummers allmählich kürzer, du wirst dir selbst begegnen, dich kennenlernen, dich wertschätzen.
Du wirst merken, dass der Schmerz sich verwandelt, langsam, dass er sich friedlich einfügt in dein Ganzes und nicht so wie ein riesiger Klumpen in dir und vor dir steht und auf dich einhämmert.
Dem Schmerz kannst du nicht ausweichen. Aber du kannst ihn mitteilen.
Hier und überall, wo du Freunde hast.
Es sind Wellen - anfangs scheinbar unüberwindbare hohe - immer kleiner werdende Wellen, Wellen, Wellen....
Denk immer daran, dass du nicht allein bist.  Und merke dir:

Wer schwimmen kann, kann schwimmen. Egal, wie tief das Wasser ist.

Wichtig ist nur, dass du RUHE bewahrst und dir alle Zeit der Welt gibst für alle Gefühle, die in dir hochkommen. Trauer und Wut und Zweifel und das ganze Gemisch.
Es macht müde.

Viel Schlaf, ganz, ganz viel Schlaf und ganz viel Gehen und Aufrichten und Reden mit der Freundin so oft es geht.

Schlaf gut und liebe Grüße Marisa