Autor Thema: Ich versuch's dann mal .....  (Gelesen 882 mal)

Offline Medea

  • Moderator
  • Plaudertasche
  • ***
  • Beiträge: 1863
Re: Ich versuch's dann mal .....
« Antwort #15 am: Januar 15, 2020, 21:11:18 Nachmittag »
Liebe Iamgroot,
mir sind viele Sätze eingefallen, mit denen ich die Antwort an dich beginnen kann. Aber ich entscheide mich ganz bewusst für diese, nicht ohne dir vorher zu sagen, dass Verständnis und Empathie das erste wäre, was du brauchst, weil das genau fehlt, wenn du mich fragst, in deiner Partnerschaft. Aber mir ist wichtig dir zu sagen: Du hast ein Recht auf deine tiefsten Bedürfnisse.

Du zögerst hier zu schreiben, weil es Menschen gibt, die gerade akut und schrecklich leiden, weil...dein Problem ja gar nicht so schlimm ist. Du hast erlebt, was dein Mann dir angetan hat (genau das gleiche, was die Menschen, denen es hier so schlecht geht, erleben) und siehst vor allem seine Not, seine Defizite und hältst trotzdem zu ihm. Du erlebst wie deine Mutter nach einem Routineeingriff fast stirbt und jetzt elend beieinander ist. Dein Mann kann nicht für dich da sein. Aber du siehst vor allem die Gründe, die es gibt, warum er es nicht kann. Dein Bedürfnis ist da ja gar nicht so wichtig.
Iamgroot. Das ist das erste, was ich dir heute sagen will.
Du bist genauso wichtig wie die anderen. Deine Bedürfnisse sind genauso wichtig. So gute Gründe andere Menschen haben können, warum sie sie nicht erfüllen können.

Du fragst, wie du wieder Vertrauen sollst. Darauf gibt es keine endgültige Antwort. Vertrauen ist immer ein Risiko. Und so lange man vertraut, geht man davon aus, dass es keines ist, obwohl es das sein könnte. Das war vor seinem Ausbruch so und auch heute. Nur schwächt sich mit der Erfahrung, dass Vertrauen gebrochen wird, die Gewissheit, dass es kein Risiko darstellt, obwohl es das darstellen könnte. Ich glaube, du könntest vertrauen, wenn du spürst, er räumt dir ein Recht auf deine Bedürfnisse ein.
Ich bin deinen Weg nicht gegangen, Iamgroot, deshalb schreibe ich jetzt nicht aus Erfahrung, sondern nur Gedanken, die mir eingefallen sind, ich weiß nicht, ob sie für dich richtig sind.
Was das Vertrauen wieder stärken könnte, wäre das Gefühl, dass er deine Bedürfnisse so ernst nimmt, wie du es mit seinen tust. Das wäre zum Beispiel dir das Gefühl zu geben, du bist nicht allein, wenn es deiner Mutter so schlecht geht, sie fast stirbt, sie im Krankenhaus Prozessen ausgeliefert ist, die du nicht mehr beeinflussen kannst. Auch wenn er aus beruflichen Gründen nicht da sein kann, kann er trotzdem da sein. Wenn er dir emotionale Nähe gibt.
Partnerschaft ist keine Einbahnstraße. Du gibst ihm Liebe und Geborgenheit. Und du musst auch Liebe und Geborgenheit spüren.
Dein altes schlechtes Ich hätte Forderungen gestellt, so schreibst du. Dein neues Ich setzt zaghafte Impulse. Iamgroot, ich bin mir gerade gar nicht so sicher, ob dein altes Ich nicht das  für dich bessere Ich gewesen ist.
Du hast auch ein Recht auf deine Bedürfnisse.
Du bist wichtig.

Und … nicht du hast die zweite Chance bekommen, Iamgroot. Du hast sie gewährt. Er hat sie bekommen, wenn du mich fragst.

Iamgroot, du bist ein besonderer Mensch, und du trägst eine große Gabe der Liebe in dir. Das ist etwas ungeheuer Wertvolles. Ich hoffe, du erkennst selbst deinen Wert. Und noch mehr hoffe ich, dass er das erkennt.
Pass ganz, ganz gut auf dich auf.

Von Herzen sende ich dir ganz liebe Grüße

Medea

P.S. Ich weiß gar nicht genau, ob man den Tod eines geliebten Menschen je verarbeiten kann. Es bleiben die Ängste, die in jeder neuen Bedrohungs- und Verlustsituation wieder hochkommen. Was stärker machen kann trotz der Erfahrung und der Angst, das glaube ich, ist sich zu erinnern, was man sich gegenseitig gegeben hat. Und dass, das was man sich gegenseitig gegeben hat, das Leben reicher gemacht hat. Deshalb tut es noch weh, aber es kann irgendwann zugleich weh tun und froh machen.

Zu einfache Antworten verengen das Weltbild, schlimmstenfalls das Menschenbild, immer die Zukunft.

Offline Bescheiden33

  • Trennungs-Forum Mitglied
  • Plaudertasche
  • *
  • Beiträge: 1109
  • Geschlecht: Männlich
Re: Ich versuch's dann mal .....
« Antwort #16 am: Januar 15, 2020, 23:05:23 Nachmittag »
Liebe Iamgroot,

ich weiß gar nicht, ob ich die richtigen Worte finde, aber ich möchte mich bei dir ebenso bedanken, dass du deine Geschichte hier mit uns teilst.

Als du über deine Mutter geschrieben hast, möchte ich dir auch eine kleine Geschichte von mir erzählen, mit der ich vor einem Jahr konfrontiert wurde.

Meine Partnerin hat in dieser Zeit ihren Vater verloren, und sie war für einige Wochen sehr nachdenklich und durch den Wind. Verständlich. Ich habe damals versucht, für sie da zu sein, ihren Gesprächen über ihren Vater zuzuhören, sie in den Arm zu nehmen. Kurzum, einfach für sie da zu sein.

Sie hatte Gott sei Dank auch das Glück, von guten Freunden aufgefangen zu werden und mit diesen ebenso zu heulen, weil es eben ein schwerer Verlust ist. Das kann man auch nicht von heut auf morgen verarbeiten, es ist ein Prozess, der dauert.

Ich glaube die meisten Menschen haben Bedürfnisse, ebenso an den Partner. Meine Partnerin hat sich von mir aufgefangen gefühlt und hat mir das gesagt, das hat mich gefreut, auf der anderen Seite, es ist eben ein schwerer Verlust und vergessen wird man das wohl nie.

Du wirst deinen Mann sicher lieben und ich denke er wird das ebenso, ich kann jedoch absolut verstehen, wenn du schreibst, dass er das nicht "gelernt" hat, dass er einfach nicht weiß, wie er dich da, vor allem emotional, unterstützen kann.

Schlussendlich denke ich mir, wichtig ist, dass du mit diesen Dingen "trotzdem" leben kannst. Du versuchst es habe ich das Gefühl, und trotzdem, dir fehlt dieses "ich möchte mich auch mal fallen lassen".

Ich denke mir, selbst wenn man älter ist, manche Dinge kann man dennoch erlernen, wenn man das denn möchte. Ich wünsche dir, dass dein Mann vielleicht in dieser Hinsicht noch Lernbereitschaft besitzt, denn ich denke schon, es ist wichtig, für sein Gegenüber da zu sein, vor allem wenn es einem schlecht geht.

Ich wünsche dir für deine Partnerschaft alles Liebe und Gute, hoffe, dass dein Mann diese 2. Chance zu schätzen weiß und er dir dies vielleicht auf eine andere Art und Weise zeigen kann.

LG Bescheiden

Offline angel55

  • Trennungs-Forum Mitglied
  • Lebende Foren Legende
  • **
  • Beiträge: 4579
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Ich versuch's dann mal .....
« Antwort #17 am: Januar 16, 2020, 07:55:59 Vormittag »
Guten Morgen Groot,

ich versuche zu formulieren, was ich fühle, wenn ich deinen Beitrag lese, garnicht so einfach.
Denn es ist so viel, was deine Erlebnisse betreffen.

Deine Mutter musste operiert werden, das ist für dich Trigger Nr. 1, denn du musst mit ihr in ein Krankenhaus.
Dann gibt es Komplikationen, sie muss auf Intensiv, Trigger Nr. 2
Das ist schon anstrengend, wenn man nicht ein traumatisches Erlebnis vorher hatte.
Du hast es durchgezogen, tapfer und hattest die Kraft dazu.
Das Erkennen, dass du die Umstände des Todes deines Vaters noch nicht bewältigt hast, ist nochmal wahnsinnig schwer.

Der innere Zusammenbruch kommt danach und dann braucht man viel Verständnis, Trost, Ruhe.
Ich merke, dass ich, jetzt in meinem Alter, genau 2 Tage brauche, um mich allein körperlich von einem anstrengenden oder belastendem Erlebnis erholen muss, meine Psyche braucht länger.
Ich kann darüber mit meinem Mann (kurz) reden, aber im Grunde muss man es danach doch alleine schaffen. Ausser man macht eine Therapie.
Dafür habe ich mir einige Rituale erdacht.

Zulassen dieses Erschöpfungszustandes und nur schonende Dinge machen.
Wenn es mir die Füße weggezogen aht, dann liege ich einfach auf dem Sofa, verurteile mich nicht deswegen und gönne es mir. Davor hatte ich ein schlechtes Gewissen und trat mich immer, "du musst, du musst doch jetzt das und das machen." Blödsinn.
Ich tue mir leid, so wie mir ständig andere Menschen leid tun, denen es schlecht geht. Seltsamer Weise klammerte ich mich selbst immer aus.
Ich muss nichts, ich lasse mich treiben, die Unterlage, auf der ich liege trägt mich, ich werde getragen, ich muss nichts.
Sogar Spitzensportler haben Erholungstage. Ich erhole mich, solange ich es brauche. Natürlich geht das alles nur, weil ich nicht mehr arbeite, früher musste das alles weggedrängt werden. Also wenn nicht jetzt, wann dann?

Zu deinem Misstrauen und der Angst, dass er wieder fremdgehen könnte.
Das ging mir auch so und ich habe ihn ab und zu angesprochen.
Er reagierte verärgert, aber es war eine Mischung aus "es ist mir peinlich, ich war ein Idiot" und aus "nicht schon wieder".
Heute habe ich wirklich damit abgeschlossen, aber es hat gedauert. Heute habe ich, in der Beziehung, soviel Selbstvertrauen, dass ich überzeugt bin, wenn es nochmal passiert, dann ist es mir egal, dann ist er raus aus meinem Leben. Punkt.

Dein Mann ist lange auf Montage und genießt das.
Für dich ist es schon belastend und du magst es nicht, denn es ist eine lange Zeit, die du alleine bist.
Wenigstens wenn er zu Hause ist, solltest du mit ihmso reden können, dass er zuhört und dir beisteht.
Mach ihm immer wieder klar, dass du das vermisst und dass jeder Mensch Zuwendung vom Partner braucht, dass es kein Genörgel ist.
Ich hoffe, er kann das annehmen und es verbessern.

Alles Liebe und ganz viel  :hug:

angel

























Und sobald du die Antwort hast, ändert das Leben die Frage !

Offline angel55

  • Trennungs-Forum Mitglied
  • Lebende Foren Legende
  • **
  • Beiträge: 4579
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Ich versuch's dann mal .....
« Antwort #18 am: Januar 16, 2020, 08:06:12 Vormittag »
Gesundes, gutes Essen, das mir bekommt und
wenn ich wieder auf die Füße gekommen bin, viel Bewegung an der frischen Luft, gehören auch zum Programm.
  :huhu:  :hug: angel
Und sobald du die Antwort hast, ändert das Leben die Frage !

Offline IamGrooot

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Ich versuch's dann mal .....
« Antwort #19 am: Januar 16, 2020, 10:22:09 Vormittag »
Guten Morgen!

Nun sitz ich hier und die Tränen laufen.......

Aber das ist ok. Ich fühle mich mit euren Antworten so sehr verstanden.
Und soviel Verständnis bekomme ich eigentlich nur von meinen wunderbaren Kindern. Die aber eigentlich gar nicht die Aufgabe haben sollten ihre Mutter zu stützen.

Liebe Medea, du hast so recht.
Ich sollte mir auch wichtig sein. Aber im Grunde ist wohl genau das mein Problem, denn ich hatte noch nie ein positives Selbstwertgefühl. Ich fand mich schon immer : klein, hässlich, nicht den Idealmaßen ( size zero ) und dem üblichen und von den meisten Männern so gewollten langen, möglichst blonden Haaren entsprechend.
Selbstzweifel in geballter Form.
Aber mein Mann hat mich genau so von sich aus damals angesprochen. Also nur vom Sehen her.
Das und die Tatsache, dass die meisten meiner *Freunde* und Bekannten  männlich sind und mich gerne um sich haben müßte mir eigentlich immer wieder aufzeigen, dass ich nicht so ganz schei-se bin.
Ich war, bis zum Jahr 2015, ein lustiger, aufgeschlossener, derbe Witzeverstehender, manchmal lauter, gerne in Gesellschaft gehender Mensch mit vermutlich angelegtem Helfersyndrom.
Das kam scheinbar gut an trotz meiner Selbstzweifel. So war ich eben.
Jetzt nicht mehr.
Hab das alles abgelegt, weil alles das meinen Mann gestört hat und er sich ja deswegen von mir getrennt hat.
So sagte/ brüllte er mir das entgegen.
Natürlich hab ich auch eingesehen, dass man gar nicht immer nur auf Achse sein muss am Wochenende, man auch leiser sein kann. Leise lächeln.
Die Crux an der Veränderungssache ist nun die :
Die Freunde und Bekannten monieren das. *Die Alte Grooot hat uns besser gefallen* *So haben wir dich kennen und mögen gelernt* * Darum bist du unsere Freundin geworden* *Wir vermissen die Alte Grooot*
Die Treffen, Kontakte und Einladungen sind rar geworden.

Und mein Mann ?
Joah....der kommt mit seinen nun umgesetzten Wünschen auch nicht so recht klar.
Kann damit nicht umgehen, mit der stilleren, nicht mehr so lustigen, alles ohne Murren akzeptierenden Frau.
Verkehrte Welt.

Ich war früher eher der burschikose Typ. Kumpel halt. Konnte mit den *typischen* Frauendingen wie Handtaschensoteuerwiemöglichkauf nix anfangen.....bei mir waren es eher Turnschuhe mit dem Woofsign an der Seite.
*Äh nur zum Sport hab ich sie nie genutzt*----grins

Tja ......was vielleicht auch ab und zu gefehlt hat, waren Komplimente von Seiten meines Mannes, wenn ich mich mal extra schic gemacht hatte und /oder ein Kommentar das die neue Kurzhaarfrisur doch recht geil aussieht.
Nope, da kam nix. Also war für mich klar : Mädel du bist nichts. Nicht ansprechend, nicht erwähnenswert, nix !
Und dabei geht es mir nicht nur um Äusserlichkeiten, nein auch um meine Charaktereigenschaften die er ja auch völlig daneben und anstrengend fand.
Quasi ALLES . Also ICH.
Und dann findet er in dieser Klinik eine andere, 20 Jahre jünger, mit vollstem Verständnis für seine schlimme Lage mit dieser schrecklichen Ehefrau am Hacken. Die große Liebe. *würg
Ääääh......liebes Selbstwertgefühl.....danke das du gerade die letzten übrig gebliebenen 5% von dir in Schutt und Asche gelegt hast.

Und auch das mit dem Risiko zu vertrauen hast du richtig beschrieben liebe Medea.
Diesem Risiko war ich jahrelang vorher schon ausgesetzt, habe das aber nie so empfunden, weil ich so sehr vertraut hab.
Ich war davon überzeugt, dass es keinen Grund für ihn gibt mich zu betrügen, denn ihm kann gar nichts fehlen, was ich nicht auch für ihn zuhause tue.
In allen Facetten. ( Ihr versteht was ich meine ) Und ausserdem hatte er ja einige Versprechen bei Eheschließung gegeben. Immer mit den Beteuerungen *Ich liebe Dich*

Nunja......mittlerweile bin ich sicher : Ich war so naiv !!!! ( bin ich aber heute immer noch ab und zu )
Die Worte *Ich liebe Dich* sind tatsächlich nur Worte und können beliebig an andere weitergegeben werden.
Ich bin kurzfristig .......im Prinzip super schnell ersetzbar.
Und da ist es wieder : Ich bin nichts wert.

Mit diesem Wissen von heute ist das Risiko zu vertrauen um tausendprozent gestiegen.
Es würde es etwas schmälern, wenn er mir nur ein bißchen meiner Schutzbedürftigkeit, meinen Wunsch nach starker Schulter zum anlehnen und verschnaufen erfüllen würde.
Wenn ich das Gefühl hätte ich werde gesehen und verstanden.

Ich hoffe darauf, dass er das noch *lernt* und einsieht und ich, allein schon um meiner selbstwillen, nicht ständig daran  denke, ob er jetzt nach dem Feierabendbier in der Kneipe allein in sein Hotelzimmer geht.
Denn das zermürbt so.


Lieber Bescheiden33 !
Ich freue mich sehr für deine Partnerin das sie dich / ihr euch gefunden habt.
Du hast sie in dieser schwierigen Zeit beschützt (Ich finde das Wort-beschützen- so schön und vielsagend, voller Liebe) und ihr Halt gegeben. Das ist so wichtig und hilft so sehr. Besonders schön finde ich aber auch, dass sie dir das gesagt hat, denn oftmals werden diese Gaben als selbstverständlich hingenommen.
Aber das sind sie nicht ! Wie man bei mir / uns sehen kann.

Ich bin bei einer Aussage meines Schwiegervaters ( ich hoffe es geht ihm gut im Himmel, er ist 11/2018 verstorben, und sitzt mit meinem Vater und meiner Oma auf ner Gemeinschaftswolke fröhlich zusammen) gaaaaaaaanz am Anfang unserer Beziehung hellhörig geworden.
Er sagte: ich habe meinen Kindern immer gesagt sie können immer auf mich zählen, alles von mir haben, aber Liebe kann ich ihnen nicht geben.
Da war mir klar ----das wird schwere Arbeit mit meinem Mann.
Denn in unserer Familie war das komplett anders.
Drum habe ich Verständnis für meinen Mann, dass er das nicht zeigen kann und vorallem nicht von alleine drauf kommt was mir jetzt gut tun würde.
Es gibt dafür sogar einen Fachbegriff : Alexithymie, quasi sowas wie Legasthenie und Dyskalkulie.
Kann er eben nichts für.
Aber ein bißchen hätte er doch schon in der langen gemeinsamen Zeit mit uns lernen können.

Vielen Dank für deine so ehrlichen und aufrichtigen guten Wünsche an uns.


Liebe Angel55

Ich habe schon lange dieses Gefühl, das sich eure Geschichte hier mit meinem Mann und mir, komplett nochmal ereignet und gespiegelt hat.
Du erzählst von Dingen die bei euch passiert sind und Dinge die gesagt wurden die EXAKT im gleichen Wortlaut auch hier geschehen und gesagt worden sind.
Heftig.
Das ist auch der Grund warum ich mich dir unbekannterweise so verbunden fühle und so sehr aufsauge was du schreibst.
Mir kam kürzlich als schlechte Erinnerung kurz das Bild hoch, wie ich hier Rotz und Wasser stundenlang am Küchenboden gelegen habe.
Und dann lese ich hier irgendwann, dass es dir auch so ergangen ist.Und dann ist es das erste mal das ich mich nicht mehr dafür schäme.
Oder diese Seelenverwandschaft *üüäähh* gefunden in der Klinik.
Depressionen. Alkohol. Lügen.
Dieser von riesigen Steinbrocken belagerte und zusätzlich torpedierte Weg den man gezwungen war zu gehen.
Und dann das wieder zusammenfinden. Soooo schwer. So mühsam. Und eigentlich doch wiederrum schön.

Leider war mein Anspruch an mich selbst tatsächlich immer: Erst alle anderen, dann alles andere und dann evtl. ich.
Das schaffe ich nicht mehr. Geistig, emotional und auch körperlich nicht mehr.
Ich habe auch angefangen, nach langem zögern, mir Ruhepausen zu gönnen, auf mich zu achten.
Meine Vollzeitarbeit habe ich in Teilzeit gekürzt.

Das ich mich nicht mehr dafür verurteile mal ne Stunde auf der Couch zu liegen, muss ich noch lernen.
Aber ein guter Tee, meine Musik und meine Bücher sind wieder wichtige Begleiter in meinem Tagesrythmus.
MeditationsCD's von Louise Hay beruhigen und stärken.
Rituale eben, wie du so schön geschrieben hast.
Ich muß nur noch mein schlechtes Gewissen loswerden und mal aus einem JA ein Nein machen.

Ich spreche ihn auch öfters auf mein Mißtrauen an ( vermutlich aufgrund der Zweifel zu oft ) und er hat exakt das Gleiche geantwortet: Es ist ihm hochgradig peinlich und er war so blöd .....*ich mache das nie nie wieder und jetzt ist schluß, ich will nicht mehr daran erinnert werden, was ich schlimmes getan habe*

Ich freue mich für dich, dass du damit abschließen konntest und soviel Selbstbewußtsein hast, dass du bei einem nochmaligen Ausbruch nicht mehr zur Verfügung stehst.
Das sage ich mir auch ständig und habe auch ihm das bereits gesagt um klare Verhältnisse zu schaffen.
Ich würde da aber wieder nicht ohne Blessuren rauskommen, dafür liebe ich ihn zu sehr.
Aber ich sorge schon mal dafür das mein Selbstbewußtsein an Stärke zunimmt um für den hoffentlich nicht eintretenden SuperGau gewappnet zu sein.

Ich werde deinen Rat jetzt am We nochmal in die Tat umsetzen und ihm, ohne Genörgelstimme, versuchen klar zu machen was mir fehlt und es zum zukünftigen Vertrauen viel beitragen kann.
Er kommt nämlich ein Wochenende früher zurück als geplant, muss dafür aber Montag wieder für 2 Wochen weg.
Er sagte gestern er freue sich schon sehr auf mich.
Das ist ja auch schon mal ein Anfang.
Und ich freue mich sowieso wie bolle über diese kurzfristige Änderung.

Danke liebe Angel. Für alles !


Habt alle einen guten, ruhigen Tag !!

Liebe Grüße
Grooot



Don't let the bastards grind you down -U2-

Offline IamGrooot

  • Newbie
  • *
  • Beiträge: 10
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Ich versuch's dann mal .....
« Antwort #20 am: Januar 16, 2020, 10:40:14 Vormittag »
Gesundes, gutes Essen, das mir bekommt und
wenn ich wieder auf die Füße gekommen bin, viel Bewegung an der frischen Luft, gehören auch zum Programm.
  :huhu:  :hug: angel

 :five: Ja genauso mach ich das auch !
Ich habe ja angefangen mein Selbstbewußtsein zu stärken.
Dazu gehörte 30 Kilo Abnahme,seit Juli, mit Intervallfasten was mir sehr gut getan hat. So dünn war ich das letzte mal mit 12   :giggle:
Am We werden leckere gesunde Häppchen und Fingerfood für einen gemütlichen Abend gezaubert und ein leckeres Glas meines Lieblingsrotwein oder einen wahrlich guten Scotch gönne ich mir hin und wieder dazu.
Alleine das stundenlange Werkeln und Zubereiten vorher in der Küche mit meiner Playlist auf den Ohren lässt meine Seele baumeln.
Und ein Laufband für die tägl. 10000 Schritte ist auch endlich hier.
Draussen laufen mag ich nicht....man muß die Strecke ja auch wieder zurück gehen.....*puuuhh
Ich verwöhne gerne und langsam auch mich.
Eigentlich ein guter Anfang.  ;D

Ich drück dich zurück  :hug: von ganzem Herzen !

Grooot
Don't let the bastards grind you down -U2-

Offline Medea

  • Moderator
  • Plaudertasche
  • ***
  • Beiträge: 1863
Re: Ich versuch's dann mal .....
« Antwort #21 am: Januar 16, 2020, 17:47:46 Nachmittag »
 Liebe Iamgroot,

du hast das Herz eines Adlers, du kannst und du darfst deine Schwingen ausbreiten und fliegen. Diesen Satz möchte ich dir heute senden. Er ist die Zusammenfassung einer Geschichte, die sich leicht googeln lässt und die ich dir noch per PM sende.
Du bist ein so großartiger Mensch, Iamgroot. Du darfst sein, wer du bist. Und stolz auf dich sein. Und, wenn du die Geschichte liest, verstehst du den Vergleich, die Hühner sind eher die Prinzessinnen mit den wallende, blonden Haaren.
Wenn deine Freunde dein altes Ich vermissen, ist das eine Sache. Viel wichtiger ist die Frage, ob du dein altes Ich vermisst und dich so wohlfühlst. Wichtig bist du!
Kein Mensch kann dauerhaft ohne Schaden die eigenen Bedürfnisse übergehen. Soviel Liebe für andere auch dahinter steckt. 
Schicksalsschläge verändern, manchmal wird man dadurch leiser, zurückgezogener, weil der Mensch dann selbst so ist, das braucht und das Bedürfnis dazu hat. Etwas anderes ist, wenn der andere eine solche Änderung einfordert. Das ist schon fast übermenschlich, das zu leisten. Finde ich.
Man kann unterschiedliche Bedürfnisse haben. Am Wochenende voller Action gegen ein möglichst ruhiges Wochenende. Das kann auch unterschiedlichen Alltagsbedingungen geschuldet sein. Jemand, der viel auf Montage ist, mag  vielleicht eher ruhig am Wochenende zu Hause sein. Dann müssen beide aufeinander zu gehen (meistens profitieren beide davon). Aber das ist Verhalten und zielt nicht auf das Sein.
Die Unfähigkeit eigene Gefühle zu formulieren, ist da sicherlich eine Schwierigkeit. Dein Mann hat eine ganze Menge gefordert, was man eigentlich einen Menschen nicht abverlangen kann – irgendwie ein anderer Mensch zu sein. Aber auch er vermisst scheinbar dein altes Ich. Und er ist zu dir zurückgekommen (Die Frau in der Klinik war vielleicht auch ein Huhn, kein Adler). Das sollte dein Selbstbewusstsein stärken.
Ich glaube sogar, eigentlich braucht er auch dein altes Ich. Aber das ist natürlich nur ein flüchtiger Eindruck, der auch falsch sein kann.
 Es ist gut, dass du dein Selbstbewusstsein stärkst, es ist gut, dass du anfängst ein wenig gut zu dir zu sein. Du darfst das. Aber natürlich lernt man das nur Schritt für Schritt, wenn man es so lange nicht gemacht hat. Sich und seine Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen. Weil du wertvoll bist. Und weil du so wie du bist toll bist.
Du kannst und darfst fliegen. 
Und ach ja, Vertrauen ist nicht naiv, sondern ein Zeichen von Stärke, weil man aus freien Stücken auf Schutz und Kontrolle verzichtet. Aber man wird dann halt auch angreifbar.
Ich drücke dir ganz fest die Daumen, dass das Gespräch so verläuft wie du es dir erhoffst.
Und übe dich darin, gut zu dir selbst zu sein. Du machst das richtig gut.
Von Herzen liebe Grüße
Medea
Zu einfache Antworten verengen das Weltbild, schlimmstenfalls das Menschenbild, immer die Zukunft.