Autor Thema: Unterhaltspreller/Rabenvater/Freiheitskämpfer  (Gelesen 6128 mal)

Offline Jon Bon Jorno

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Unterhaltspreller/Rabenvater/Freiheitskämpfer
« am: Februar 24, 2013, 11:05:23 Vormittag »
Guten Morgen,

es wurde mir hier im Forum nahegelegt einmal meine Geschichte zu erzählen.

Ich bin Vater eines unehelichen Sohnes, 3 Wochen Beziehung; die Frau hat es darauf angelegt schwanger zu werden (Tropiko-Kind). Wahrscheinlich war es das Geld meiner Eltern, was sie so anziehend fand (Habe sie öfters mit dem Cabrio meiner Mutter rumkutschiert).

Kurz nach Bekanntwerden der Schwangerschaft hat sie sich um 180° gewandelt - ich (damals 16J Schüler Realschule, Abschlußklasse, sie 19J Arbeitslos) solle mir einen Job und uns eine Wohnung suchen. Ich hatte damals keine Ahnung von solchen Dingen und war restlos überfordert - sie hätte rückblickend eigentlich schon die Erfahrung gehabt mit dem Sozialsystem und wo man was herbekommt, aber ich vermute es war nur ein Vorwand mich abzuservieren.

Heute hat sie sechs Kinder von drei Männern - hatte mir später mal erzählt ihr schlimmster Alptraum wäre es immer gewesen, einsam zu sterben - nunja böse gesagt hat sie ja jetzt Abhilfe für ihr "Problem" geschaffen.

Vom Leib gehalten hat sie mich während der Schwangerschaft, indem sie mich wegen Vergewaltigung angezeigt hat - das Verfahren wurde gegen Auflagen eingestellt, der Arzt konnte nichts feststellen. Eine Auflage war mich während der Schwangerschaft nicht in demselben Stadtteil aufzuhalten.

Als der Junge geboren ward, durfte ich ihn im Krankenhaus besuchen, dann verfügte die "Mutter" eine Kontaktsperre bis das Kind größer war. Rechtlich war sie damals im Recht, moralisch war ich am Boden und begann zu trinken und stürzte in die Drogenhölle.

Zum zweiten Geburtstag wurde ich dann eingeladen mit einer langen Wunschliste an Klamotten für das Kind - hat alles meine Mutter bezahlt, ich befand mich noch in der Ausbildung. Zwischenzeitlich war sie 80km weit weg gezogen, rechtlich kein Problem damals. Für mich allerdings schon, weil die Anfahrt drei Stunden je Strecke in Anspruch nahm, von den Kosten ganz zu schweigen. Ab da gestattete mir Majestät den wöchentlichen Umgang a je 2 Stunden, amen.

Als ich mit der Ausbildung fertig war, bekam ich ein Schreiben vom Jugendamt, welches sich mir verkündete die Pflegschaft für meinen Sohn zu besitzen - es wurde mir ein Untrerhalt nach Düsseldorfer Tabelle auferlegt, welcher mit meinem Anfangsgehalt unterhalb jeglicher Existenzgrundlage gelegen hätte.

Leider hatte das Jugendamt kein Einsehen und verklagte mich stattdessen auf Entrichtung des Unterhalts - ich war komplett durch den Wind, von überall her Beschuss zu bekommen und willigte ein, einen Titel zu unterschreiben, damit ich nicht ins Gefängnis muß (hatte das Gericht mir damals geschrieben und die Leute vom Landratsamt haben mir auch noch einmal Druck gemacht).

Kurz danach hatte ich mit 19 Jahren einen Nervenzusammenbruch erlitten und war ein Jahr lang in stationärer Behandlung.

Danach habe ich nur noch funktioniert - Arbeiten, am Wochenende 3 Stunden Hinfahrt zum Kind, zwei Stunden sehen, 3 Stunden zurück fahren - habe zwar geraucht, aber nur Kippen, die ich draußen auf der Strasse gefunden habe..aufmachen in neues Zigarettenpapier einwickeln, fertig.

Die Differenz zwischen meinem "Selbstbehalt" und einem menschenwürdigen Leben, haben dann irgendwann meine Eltern bezahlt, weil sie gesehen haben, daß ich nicht mehr kann (so ein Aufenthalt in der Klapse öffnet so manchem die Augen).

Erst später habe ich erfahren, daß auch Großeltern für den Unterhalt ihrer Enkel haften - und zwar alle vier. Hätte mir das mal einer gesagt..

Vor acht Jahren dann der Supergau - feindliche Übernahme meines Betriebes samt Mobbingkampagne gegen die Belegschaft, stattdessen Neueinstellungen mit Zeitverträgen. Ich nahm die Abfindung und ging wieder einmal angeschlagen: Richtig, ab in das psychiatrische Landeskrankenhaus für drei Monate.

Währenddessen zahlte ich den Unterhalt von meiner Abfindung - war ja ein Dauerauftrag  :excellent:.

Als ich wieder entlassen wurde, begann ich auf Druck des Arbeitsamtes eine unterbezahlte Arbeit bei einer Zeitarbeitsfirma - Unterhalt habe ich weiterhin von der Abfindung bezahlt.

Dann kam auch hier die Entlassung aufgrund mangelnder Auftragslage und ich war pleite - ich richtete eine Bitte an das Jugendamt Gnade mit mir walten zu lassen, da meine Bank mir den Dispokredit wegen der niedrigen Zahlungseingänge gestrichen hatte und nichts mehr bei mir zu holen war.

Das Jugendamt machte mich dafür verantwortlich den Job bei der Zeitarbeit ausgeführt zu haben und forderte mich auf, darzulegen inwiefern ich mich mich in den letzten Monaten mit ca. 20 Bewerbungen überregional und auch außerhalb meiner Qualifikation beworben hätte um den vollen Unterhalt zahlen zu können.

Zwischenzeitlich pfändeten sie mein Arbeitslosengeld, wobei das Jugendamt wollte, daß mir nur EUR 680 Euro verbleiben, das Arbeitsamt aber stand mir EUR 760 zu.

Ich war hin und weg und versank endgültig im Chaos - ein kleiner Hinweis namens "Abänderungsklage" hätte mir sehr weitergeholfen, aber werder das Jugendamt kannte offensichtlich die Möglichkeit noch die Damen von der Arge. Dort wurde ich auch noch für meine Situation angepöbelt - ja, ein richtiger Unterhaltspreller war ich in den Augen aller.

Erst als mich ein alter Schulkollege kontaktierte und mir anbot bei ihm zu arbeiten, ging es wieder aufwärts. Der Haken: Ich war 600km weit weg von meinem Kind, aber das war mir mein Leben wert, zumal das Kind auch schon aus dem gröbsten raus war und schon wußte wer ich bin.

Heute haben wir einmal im Jahr Kontakt, das Kind und ich. Ich zahle den vollen Unterhalt und bin stolz darauf.

Aktuell versuche ich mich von meinem Hass auf Deutschland und seine Bewohner zu befreien.

Ich hoffe es gelingt mir, denn eigentlich bin ich ein friedlibender Mensch, nennt mich einen Schöngeist  :giggle:

Alles gute & gute Besserung Deitschlond!
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Offline sasi

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Re: Unterhaltspreller/Rabenvater/Freiheitskämpfer
« Antwort #1 am: Februar 24, 2013, 16:28:52 Nachmittag »
Hallo Jon Bon Jorno,

schön, dass du ein wenig von dir erzählt hast, so wird auch ein wenig verständliche, warum du in dem anderen Thread auf mich, ich sag mal, etwas gereizt wirkst.

Was da abgelaufen ist, ist wirklich teilweise unter aller Sau, ich kann da deine Wut schon verstehen. Was die Mutter deines Sohns angeht, kennen wir hier nun natürlich nur die eine Seite, deshalb sage ich da nichts zu, auch weil ich selber schon öfters erfahren habe, dass jeder eine andere Sicht hat und Wut nicht unbedingt geeignet ist, alles objektiv widerzugeben.

Was dich angeht, so scheinst du auch nicht gerade ein "Engel" zu sein, wenn ich von Betrinken und Drogen lese. Auch wenn es erklärbar ist, so war es doch deine Entscheidung, das mitzumachen. Nicht dass du es falsch verstehst, ich möchte dich nicht dafür verurteilen, denn ich kann mir denken, wie schwer es ist, wenn man psychisch am Boden ist. Allerdings, wenn ich dafür Verständnis aufbringe, dann ist es hoffentlich auch ok, wenn ich das Verhalten deiner damaligen Freundin auch nicht als "böse" oder "schlecht" abstempel. Sie wird auch ihre Gründe gehabt haben.

So, wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, dann ist alles, was danach passiert ist, von den Ämtern (vornehmlich dem Jugendamt) ausgegangen? Und mit wievielen Personen hast du dort zu tun gehabt? Mit einer oder zwei? Was hat dann ganz Deutschland und dessen Bewohner damit zu tun? Es gibt überall Arschlöcher, die können dir an jeder Ecke begegnen. Sind deshalb alle Menschen schlecht? Ich habe auch eine Wut auf unsere ganzen Politiker, weil ich sehr viel mißbillige, was dort entschieden wird. Das Land, so wie es ist, gefällt mir auch nicht besonders, aber was können die Bewohner dafür? Der Großteil von uns kann nur hinnehmen, was ein paar Wenige beschließen, so wie es dir auf dem Jugendamt passiert ist. Deshalb sollten gerade wir, die wir alle im selben Boot sitzen, versuchen uns gegenseitig zu unterstützen, wenn wir schon von "oben" keine Hilfe bekommen. Und da ist es doch völlig egal, ob wir männlich oder weiblich, arm oder reich, alt oder jung sind.

Du verbaust dir mit deiner Einstellung vielleicht manchmal gute Kontakte, wenn du so wie hier im Forum gleich loslegst. Wie gesagt, deine Wut kann ich verstehen, aber hier bist du dafür an der falschen Adresse. Hier kannst du Menschen finden, die so denken wie du, die anders denken, dich dafür aber nicht verurteilen aber keine Menschen, die dir Böses wollen.

Deshalb wünsche ich dir hier einen guten Austausch.

Liebe Grüße,
sasi
Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast.

Offline Mikus

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Re: Unterhaltspreller/Rabenvater/Freiheitskämpfer
« Antwort #2 am: Februar 24, 2013, 17:06:19 Nachmittag »
Hallo Jon Bon Jorno,

tja, das ist eine üble Geschichte und wie sehr sie Dir zugesetzt hat, schreibst Du ja ausführlich. Früher gab es beim Jugendamt wirklich manchmal schlimme Zustände und auch Väter wurden eher zweitrangig behandelt. Es ist allerdings schade, dass Du keine weiteren Beratungsstellen aufgesucht hast. Die gibt es nämlich schon sehr lange, wenngleich für Väter damals nur spärlich gesät.

Was ich aber anerkennenswert finde, ist, dass Du Dich immer um Deinen Sohn bemüht hast und Deiner Zahlungsverpflichtung nach gekommen bist. Das war bei mir ganz anders. Mein Ex hat nicht gezahlt, obwohl er in gesicherter Stellung mit gutem Einkommen war. Da die Kinder aber schon erwachsen waren und dringend das Geld für das Studium brauchten, hätten sie selber gegen den Vater klagen müssen. Das haben sie nicht getan. Ich habe von Arbeitslosenhilfe und Harzt4 gelebt und konnte deshalb keinen Unterhalt zahlen, habe es aber sofort gemacht, als ich wieder etwas zahlungsfähig war.

Du siehst also, dass solche Dinge auf allen Seiten passieren. Du warst damals noch viel zu jung, um das alles verkraften zu können, du warst ja selber noch Kind. Aber heute ist es gut, wenn Du versuchst, deinen Hass zu überwinden. Du stehst Dir damit am meisten selber im Weg, wenn Du in der Opferrolle verharrst und auf die ungerechte und böse Welt schimpfst. Ich kann Deine Wut natürlich verstehen, aber sie bringt Dich ja nicht weiter, sie nimmt Dir die Freude am Leben und die Möglichkeiten, die Du unabhängig von dem Erlebten haben kannst.

Und zu den Übertragungen auf Alle und Jeden, hab ich ja vorher schon mal etwas gesagt.

Ich hoffe sehr, dass Du Deinen Hass überwinden lernst und andere Perspektiven entwickeln kannst.

LiebeGrüße
Mikus
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Offline Jon Bon Jorno

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Re: Unterhaltspreller/Rabenvater/Freiheitskämpfer
« Antwort #3 am: März 31, 2013, 16:15:08 Nachmittag »
Was dich angeht, so scheinst du auch nicht gerade ein "Engel" zu sein, wenn ich von Betrinken und Drogen lese. Auch wenn es erklärbar ist, so war es doch deine Entscheidung, das mitzumachen. Nicht dass du es falsch verstehst, ich möchte dich nicht dafür verurteilen, denn ich kann mir denken, wie schwer es ist, wenn man psychisch am Boden ist. Allerdings, wenn ich dafür Verständnis aufbringe, dann ist es hoffentlich auch ok, wenn ich das Verhalten deiner damaligen Freundin auch nicht als "böse" oder "schlecht" abstempel. Sie wird auch ihre Gründe gehabt haben.

Richtig, es ging ihr immer um Macht - das Kind hat sie als ihr Eigentum betrachtet und solch eine Einstellung verurteile ich aufs schärfste - übrigens finde ich es nicht angebracht mein Verhalten --> nach der seelischen Verstümmelung durch die Kindsmutter <-- als Rechtfertigung für ihre Taten --> die zur seelischen Verstümmelung geführt haben <-- heranzuziehen.

Egal welche Gründe sie gehabt haben mag und ob diese nun gut oder böse oder willkürlich waren, quasi hormonbedingt - es rechtfertigt nicht die --> seelische Verstümmelung eines Menschen <--.

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Offline Einsamer

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Re: Unterhaltspreller/Rabenvater/Freiheitskämpfer
« Antwort #4 am: März 31, 2013, 17:48:19 Nachmittag »
Hallo Jon Bon Jorno,

wenn es sich um eine Trennung handelt, dann handeln manche Mitarbeiter
von Jugendämtern und die Urteile mancher Gerichte entgegen dem Grundgesetz.

Was da oft bei raus kommt, entspricht weder dem Kindeswohl noch der Würde
desjenigen, der für den Unterhalt aufkommen muss.

Sie handeln im Sinne der staatlichen Finanzen.

Ich finde es gut, dass es immer mehr gibt, die das Chochener Modell als Vorlage
nehmen. Hier geht es überwiegend darum, das Kindeswohl in Vordergrund zu stellen
und Streitigkeiten zu verhindern.

Ich wünsche dir alles Gute und viel Kraft.

Gruß Einsamer
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Offline Schatten

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Re: Unterhaltspreller/Rabenvater/Freiheitskämpfer
« Antwort #5 am: März 31, 2013, 18:43:49 Nachmittag »
Hallo Jon,

ich habe einen Sohn, der in ein paar Wochen 16 wird, also genau so alt, wie du warst, als dein Dilemma begann. Sollte er in eine solche Situation kommen, würde ich wirklich alles tun, um ihm zu helfen.

In deinem Bericht kommen deine Eltern kaum vor. Wo waren sie? Haben sie irgendetwas getan, um dich zu unterstützen? Ein 16-jähriger ist doch noch ein halbes Kind und allein kaum in der Lage, eine solche Situation zu meistern.

LG, Schatten
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